Über Wertstoffe, Farbkleckse und Resozialisierung

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Reger Austausch mit Mag. Alice Suppan, Geschäftsführerin bei Saubermacher Beteiligungen, über digitale Wertstoffentsorgung, Müllentsorgung und das saubere Image von Saubermacher. Über den bunten Farbklecks unter den vielen grauen Anzügen und den Wegwerf-Trend.

Du bist Geschäftsführerin von Saubermacher Beteiligungen – wie hängen diese Unternehmen mit Saubermacher zusammen?
Das sind Tochterunternehmen von Saubermacher, mit dem gleichen Kerngebiet, also der Abfallentsorgung, jedoch spezialisiert auf gewisse Bereiche, in meinem Fall auf den Bereich Altpapier. Nachdem meine Hauptaufgabe im Konzern auch die Vermarktung vom gesamten Altpapier ist, passt diese Beteiligung genau dazu. Zu meinen Aufgaben gehört dabei der gesamte In- und Outputstrom und die Betriebsleitung, also das gesamte Konstrukt dieser Beteiligung.

Gibt es die analogen Konstrukte auch für die anderen Müllsorten oder nur für Altpapier?
Ja, auch mit anderen. Die zweite in meinem Bereich ist die Wertstoffhandels-GmbH, das ist auch ein Tochterunternehmen, das nur auf den Bereich Schrott und Metalle fokussiert. Auch da bin ich über die Sparte „Wertstoffe“ wiederum in Österreich für die Vermarktung von Schrott und Metallen zuständig, dazu passt wieder eben dieses eine Unternehmen, das nur auf diesen Bereich fokussiert. Also in Wahrheit sind das ausgegliederte Unternehmen, die das in sich kumulieren, was Saubermacher als Gesamtentsorger anbietet.

Ich habe ganz tolle Infos auf der Saubermacher-Website gesehen: Zum Beispiel über die Online-Plattform Wastebox?
Ah ja, die Wastebox ist natürlich ganz etwas Spezielles [lacht]. Die liegt voll im Trend der Digitalisierung und der Online-Bestellwelt. Es handelt sich um eine Plattform, wo man als Privater ganz normal seine Container bestellen kann. Ich kann mich dann einloggen im Internet, sehe sofort, welche Möglichkeiten ich habe: Kann ich einen Container bestellen oder einen Big Bag oder einen Sack. Ich habe sofort den Preisvergleich und kann gleich auswählen, wann ich den Container wohin haben will und wann mein Müll abgeholt werden soll. Das ist für die Kunden recht bequem und einfach aufgebaut. Anstatt sieben Entsorgungsfirmen anrufen zu müssen, hat der Kunde eine Plattform, auf der zentral alle wesentlichen Informationen abrufbar sind. Poliere großer Baufirmen haben die entsprechende App auf ihrem Handy, wo sie genau sehen können: Wann ist der Container bei mir, wie lange braucht er noch, wie lange ist der Fahrer unterwegs. Es gibt sofort einen Lieferschein und eine Rechnung, es wird sofort das Gewicht gemeldet. Der Polier, der vielleicht für drei Großbaustellen in Graz zuständig ist, hat so jederzeit den Überblick und spart sich das aufwändige Herumtelefonieren.

Für die Privatkunden gibt es ja auch die Erinnerungs-App, um die Abholtermine nicht zu versäumen?
Ja, aber diese Daheim-App muss die Gemeinde beantragen, erst dann wird sie den Bürgern zur Verfügung gestellt. Die App enthält Abholtermine, Trennanleitungen und andere nützliche Infos rund um Mülltrennung.

Ein sehr sauberes Image von Saubermacher – wenn ich richtig informiert bin, laufen bei Euch auch Resozialisierungsprojekte?
Natürlich haben wir soziale Projekte, zum Beispiel eine Helping-Hands-Plattform. Da leisten Mitarbeiter untereinander Hilfe – zum einen monetär, zum anderen über Kontakte. Wenn jetzt also beispielsweise irgendeiner einen dringenden OP-Termin braucht, dann versucht man beispielsweise über diese Plattform herauszufinden wo es Spezialisten in dem Gebiet gibt. Oder wenn es einen Schicksalsschlag in der Familie gab, versucht man über den entsprechenden Mitgliedsbeitrag ein spezielles Bett, eine Gehhilfe etc. zu organisieren.

Kompliment.
Eingezahlt wird von allen Mitarbeitern, die sich auch wirklich beteiligen wollen, es besteht keine Verpflichtung. Es wird bewusst so gehandhabt, dass dann nirgends zu lesen steht, welcher Person wir mit welchem Betrag geholfen haben. Das erfährt niemand außer dem Vereinsvorstand, niemand gerät dadurch in eine exponierte Lage. Das finde ich sehr schön, denn wenn man schon zu kämpfen hat, soll man sich nicht auch noch vorgeführt oder zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet fühlen.

Auszeichnungen, Sport-Events, Fachtagung No Time to Waste…
Ja, wir haben einige Veranstaltungen, und da ist auch der Eigentümer H. Roth insofern Pionier, als er immer wieder versucht, das Unternehmen in verschiedenste Projekte einzubringen, die jetzt nicht im klassischen Sinn mit der Abfallentsorgung zu tun haben, sondern generell im Bereich Energie, nachhaltiges Wirtschaften oder im universitären Bereich, beispielsweise bei der Vergabe oder Förderung von Diplomarbeiten. Sponsoring in verschiedenen schulischen Bereichen und Forschungsbereichen, der Hans Roth-Umweltpreis.– also er hat da schon einiges ins Leben gerufen, wo er wirklich Pionier ist. Und diese Aktionen sind nicht Show, sie sind ihm wirklich eine Herzensangelegenheit. Aus den geförderten Bereichen kommen dann auch wieder neue Mitarbeiter, so kommt auch entsprechend gut ausgebildetes neues Personal ins Unternehmen, dem man eine Chance geben kann. So war es auch bei mir, ich habe als Trainee nach meiner Ausbildung in Umweltsystemwissenschaften eine supertolle Chance gehabt.

Was mich gerade fasziniert: Wie kann man sich als Geschäftsführerin in diesem extrem Männer-dominierten Umfeld behaupten?
Naja, es sind zwar nicht nur Männer, mit denen ich zu tun habe, aber es stimmt, mehrheitlich schon. Es kommt durchaus zu einer Vermischung, speziell im Einkauf und im Vertrieb. Im Output-Bereich, wo es um Vermarktung des Materials und Recycling-Anlagen geht, dominieren schon noch eher die Männer. Aber es funktioniert gut, man ist dann halt einfach ein Farbklecks unter grauen Anzügen [lacht]. Doch die Akzeptanz ist auf jeden Fall gegeben.

Mir wurde schon angedeutet, dass Kleidung eine besondere Rolle für dich spielt?
Jein. Ich gehe gerne einkaufen, ich trage gerne schöne Kleidung, ich bin ein Fashion Victim, mir gefällt Markenmode einfach sehr. Und ich finde, man muss sich nicht verstecken, nur weil man sich gerne schön kleidet. Man kauft dann in Summe vielleicht weniger, trägt die Stücke auch zehn Jahre, holt sie immer wieder heraus. Eine gute Qualität, ein guter Schnitt oder gutes Design wird für mich nie out.

Es ist ja auch eine positive, ethische Grundhaltung, wenn man nicht mit dem Wegwerf-Trend mitmacht und auch bei sich selbst auf Nachhaltigkeit Wert legt.
Genau – so ist es!