Printwerbung würde ich verbieten!

GF Angelika Weber im InterviewGF Angelika Weber im Interview

Ein Gespräch über „digital first“ mit Angelika Weber, Geschäftsführerin der Digitalen Agentur. Über die Grundidee der Digitalen Agentur, über die letzten Nischen der Printwerbung und über den gläsernen Menschen im Zeitalter der Digitalisierung.

„Digital first“ – wo liegt der Ursprung dieses Kerngedankens, was kann man sich genau darunter vorstellen?

Entstanden ist die Idee bei der Zusammenarbeit mit einer Werbeagentur: Sie haben ein tolles Design für eine Website geliefert, wir haben es umgesetzt. Bei der Abnahme hat der Agenturleiter dann den Ausdruck seines Designs auf Papier mit dem Lineal abgemessen und mit der Homepage am Bildschirm verglichen. Da war uns klar, dass es hier verschiedene Vorstellungen von Gestaltung und Umsetzung gibt.

Wie hat die Axtesys die Veränderungen in der Marketing-Welt in den vergangenen Jahren erlebt?

Das Grundbedürfnis von uns Menschen ist gleich geblieben: Wir wollen uns über Produkte informieren, und wir wollen ein gutes Gefühl haben bei den Dingen, mit denen wir uns umgeben. Die Änderung ist nur eine mediale – 95 % der Weltbevölkerung besitzen ein Smartphone und benutzen es auch. Information ist überall und jederzeit, zielgruppengerecht und interaktiv, mit einer beliebig großen Reichweite. Das sind Vorteile, die kann eine Printwerbung nicht bieten.

Wird es Print-Werbung bald gar nicht mehr geben?

Wenn ich könnte, würde ich Postwurfsendungen sofort verbieten – viel Papier, das zum Großteil ungelesen im Müll landet. Wenigstens kann durch die Digitalisierung einiges davon schon nach Zielgruppen eingeschränkt werden. Was es allerdings immer geben wird, sind persönlich übergebene Werbungen: eine Visitenkarte, ein Folder bei einer Produktpräsentation, ein tolles Plakat für eine Veranstaltung – das ist Gestaltung. Da ist auch die Haptik wichtig: Ich greife gerne Dinge an, mag es, wenn sie Mehrwert bieten – Notizzettel, Verpackung, Kunst.

Worin liegt aus der Sicht des Innovationsmanagements das Besondere, das Neue an der Digitalen Agentur?

Der Anspruch war, den Kunden das zu bieten, was am meisten bringt. Es ist natürlich ein Ansatz, ein Corporate Design zu beginnen mit Briefpapier, Visitenkarte und Folder – und danach auf den Bildschirm zu bringen. Aber wenn 1 % meiner Zielkunden meine Folder sehen, und 99 % meine Website – wäre es dann nicht schlauer, schon beim Logo, bei den Farben und Schriftarten und allen Gestaltungselementen meines Unternehmens digital zu beginnen, sich zu überlegen, was am Bildschirm am besten wirkt?

Wie unterscheidet sich dann die Digitale Agentur von anderen Internet-Agenturen, die ja auch Webauftritte machen?

Es endet ja dann nicht beim Digitalen. Mit unseren Partnern zusammen decken wir die Leistungen der Marketing-Landschaft recht flächendeckend ab. Primär wollen wir Ansprechpartner sein für Unternehmen, die in irgendeiner Form Marketing brauchen – sei es ein Startup, das von Null beginnt, ein kleines Unternehmen, das sich erstmals über gezieltes Wachstum Gedanken macht, oder ein Konzern mit eigener Marketingabteilung – die Begleitung für die ersten Schritte in die digitale Welt suchen. Die Idee ist, alles aus einer Hand anbieten zu können, einen einzigen Ansprechpartner zu haben, der sich um die ganze weitere Abwicklung kümmert.

Worin besteht die Vision der Digitalen Agentur, wie soll sie in 10 Jahren aussehen?

Sie soll widerspiegeln, wie sich die Gesellschaft weiterentwickelt. Wir wollen den Weg mitgehen von der Wissens- in die Informationsgesellschaft. Es wird immer kritisiert, wie gläsern der Mensch ist, wie viel Google, Facebook & Co von uns wissen. Wenn dadurch allerdings weniger Papiermüll, weniger uninteressanter Spam und weniger Zeitverschwendung entsteht, bin ich durchaus bereit, zum Teil transparent zu sein.
Werbung hat immer auch etwas mit Ästhetik zu tun, und mit Spaß – und ich möchte gezielt mit Dingen umgeben sein, die mir gefallen, und Freude an dem haben, was ich tue. Ich möchte tolle Unternehmen und Produkte mit interessierten Menschen zusammenbringen, damit beide Seiten glücklich sind. Das ist für mich das Ziel von Marketing, wie ich es leben möchte.