Mastermind für intelligente Tools: CTO Paul Klima im Interview

Mastermind

CTO Paul Klima im allerersten Exklusiv-Interview über das neue Sensordaten-Eigenprodukt von Axtesys. Über Vorfreude auf Teamzuwachs, die sein Leben durchdringende Digitalisierung und über seine Träume jenseits vom Programmieren.

Lieber Paul, du bist schon seit einigen Jahren CTO bei Axtesys und sozusagen das Mastermind für alle technischen Belange. Bitte erzähle ein wenig von deinen Aufgaben. Was bereitet dir am meisten Freude?
Zu meinen Aufgaben gehört die Technologieauswahl für die Zukunft, und auch dafür zu sorgen, dass die Leute mit den richtigen Skills bei uns beschäftigt sind. Es geht um unsere Eigenproduktentwicklungen und natürlich auch um die Interaktion mit unseren Kunden. Das sind alles sehr schöne Aufgaben, aber natürlich macht mir das Coden an sich nach wie vor viel Spaß. Ich freue mich immer, wenn ich auch mal selbst wieder programmieren darf.

Aktuell sucht die Axtesys neue Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen?
Ja, unsere Auftragslage bei Axtesys ist sehr gut und wir freuen uns schon sehr auf jemanden, der gut programmieren kann und unser außergewöhnlich angenehmes Arbeitsumfeld zu schätzen weiß. Wir sind ein buntes, unkonventionelles Team. Natürlich arbeiten wir leistungsorientiert, wir legen aber auch sehr viel Wert auf ein entspanntes Miteinander. Die Axtesys ist eine coole Firma, wir haben gemeinsam schon viel erreicht. Letztes Jahr waren wir in der Endrunde für den Fast Forward Award, heuer sind wir für den Green Panther nominiert.

Was darfst du über das neue Eigenprodukt von Axtesys verraten?
Tja, es handelt sich um ein Tool zur Kompression bei der Datenübertragung von Sensoren. Ein Helferlein für diverse Industrie 4.0-Anwendungen, damit die unglaublichen Datenmengen letztendlich nicht die Performance limitieren. Damit der Traffic eingeschränkt wird auf die Informationen, die wirklich relevant sind. Das ist ein Tool mit einem soliden mathematischen Hintergrund, das daher auch sehr gut funktioniert und überall eigesetzt werden kann, nicht nur in Java-Umgebungen. Wir werden es auch für C-Anwendungen anpassen. Daher wird es sicherlich ein breites Anwendungsfeld haben, da sind wir schon sehr stolz darauf. Demnächst wird das Produkt auch für den Download verfügbar sein.

Sind weitere Eigenprodukte in Planung?
Ja, da ist einiges im Werden, man darf gespannt sein [lacht]!

Was ist bei der Technologieauswahl wichtig, worum geht es da im Moment gerade konkret?
Zuletzt gab es einen immer stärkeren Schwenk von Apps-basierter Entwicklung hin zu Web-Technologien, die browserbasiert sind und sehr vielfältig. In diesen webbasierten Entwicklerumgebungen lässt sich sehr viel realisieren, was früher undenkbar war. Nun geht es darum, eine passende zu finden, die auch Zukunft hat – ein Kompromiss zwischen neu, aber nicht zu neu. Bei zu neuer Technologie lässt der Support manchmal zu wünschen übrig, zu alt ist natürlich auch schlecht.

Wagst du eine Prognose – was wird sich in den kommenden 5 Jahren technologisch tun?
Schwierig zu sagen – ich denke, dass sich die Metasprachen durchsetzen werden. Also nicht mehr html oder Javascript, sondern die Sprache auf der übergeordneten Ebene, die html oder Javascript generiert.

In manchen Branchen gehen von Spracherkennungssoftware gerade wichtige neue Impulse aus. Ist es denkbar, eines Tages nicht mehr Code zu „hacken“, manuell, sondern Code zu diktieren?
Schwierig. Das ist so wie Formeln diktieren, nicht so einfach. Ich muss ja sozusagen jeden einzelnen Rechenschritt dokumentieren. Da braucht es das Auge, um den Überblick zu behalten. Das Visuelle lässt sich aus dem Programmieren nicht so leicht ausblenden.

Welche Schwerpunkte möchtest du 2017 setzen?
Wir möchten stärker in die Webapplikationen gehen, die Skills im Team gut verteilen, damit wir mit mehreren Kanälen an einem Projekt arbeiten können.

Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für dich?
Eine sehr große – beruflich dreht sich alles um Digitalisierung, aber auch privat. Ich wage zu behaupten, dass alles, was ich zu Hause habe, irgendetwas Digitales an sich hat. Selbst beim Radfahren und Tauchen sind digitale Geräte im Einsatz, auch wenn diese Sportarten ohne sie auskommen könnten.

Du bist auch immer wieder bei der AVL sehr gefragt, als „Gastarbeiter“ sozusagen?
Ja, für die AVL bin ich nun schon ungefähr drei Jahre im Einsatz, davor war ich bei der Infonova. Diese langen Arbeitsverhältnisse haben schon eine große Qualität. Ich bin ganz gern dort, weil ich auch viel lerne von großen Konzernen. Aber es ist auch ein Springen zwischen den Welten und Branchen – auf der einen Seite habe ich Mitarbeiterverantwortung, auf der anderen bin ich die ausführende Kraft. Da ist viel Disziplin gefragt.

Wie hoch ist der Stellenwert der Branche, der fachlichen Spezialisierung, in der täglichen Entwicklerarbeit? Es ist ja ein Unterschied, ob du eine Abrechnungssoftware machst oder Software für Motorenprüfstände? Wie tief muss man in der Materie stecken, wie groß müssen die Branchenkenntnisse sein?
Der Code ist letztendlich nur ein Werkzeug. Aber je tiefer mein fachliches Hintergrundwissen im jeweiligen Bereich ist, desto besser weiß ich natürlich, was ich zu tun habe. Im besten Fall versteht der Entwickler natürlich alle Abläufe, alle Use Cases, und kann sie umsetzen. An diesem Knowhow lassen sich auch die Qualitätsunterschiede bei Software festmachen.

Privat bist du als Eishockeyspieler unterwegs. Ein sehr teamorientierter und dynamischer Sport, bei dem es um schnelle Tore geht. Gilt das auch für dein Berufsleben?
Wegen meines Knies bin ich jetzt leider nicht mehr so oft am Eis. Wobei die schnellen Tore im Berufsleben zum Glück nicht so entscheidend sind, da hat man ein bisschen mehr Zeit für Entscheidungen. Aber zu Ostern war ich erstmals Regatta-Segeln im Team – bei der größten österreichischen Offshore-Regatta, in Kroatien. Da ist das Knie auch nicht so massiv beansprucht. Die Herausforderung wird eher sein, zu sechst im Team mit Schlaf etc. auszukommen und mit Wind und Wetter klarzukommen. Aber wir haben gewonnen [lacht]!

Wie definierst du für dich Erfolg?
Erfolg ist für mich, dass alle rundherum zufrieden sind. Dass der Kunde zufrieden ist mit dem, was er bekommt für den Preis, den er bezahlt. Und ich auch sagen kann, ich habe gute Arbeit abgeliefert.

Du verreist gerne und oft. Gibt es Reisepläne für 2017?
Eigentlich bin ich immer viel unterwegs, aber dieses Jahr war der Wohnungskauf wichtiger.

Du bist ein Programmierer mit Leib und Seele… träumst du auch in Code?
In Code vielleicht nicht, aber von Code schon, ja [lacht].