Digitale Ideen-Drehscheiben für Innovationsprozesse

InnovationH. Becskei (links) und G. Leber (rechts)

Mag. Gabriele Leber ist Betriebswirtin mit langjähriger Erfahrung als kaufmännischer Leiterin in einem Großkonzern und als Geschäftsführerin eines Stadtwerkes. Sie gilt als Innovationsexpertin und ist derzeit beim Innovation Service Network im Key Account-Management tätig. Wir unterhalten uns über digitale Ideen-Plattformen, digitale Ideen-Wettbewerbe und analoge Alltagsgespräche.

Liebe Frau Leber, welchen Stellenwert, welche Bedeutung hat Digitalisierung für Sie beruflich?
Digitalisierung begleitet mich meine ganze Berufslaufbahn. Es ist eine sehr spannende Entwicklung, sie bietet unheimlich viele Chancen und fordert uns, immer neu zu denken.

Meine Frage an die Innovationsexpertin: Wie kann Digitalisierung beim Innovationsprozess unterstützen?
Digitalisierung unterstützt uns dabei, bestehende Abläufe zu überdenken. Was ist das Ziel und wie kommen wir möglichst rasch und ohne Umwege dorthin? Welche Arbeiten wollen wir uns erleichtern, um letzten Endes Raum zu schaffen für das wirklich Kreative, Innovative?

Sie sind von einer Geschäftsführerin in eine Beraterposition gewechselt, können jetzt dieses Know-how weitergeben. Welche Schnittstellen, welche Prozesse sind besonders wesentlich? Wo setzt man am besten an mit der Digitalisierung? Wo kann am meisten Innovation herauskommen?
Ich denke, das eine Erfolgsrezept gibt es nicht. Es geht immer darum, für den Kunden und dessen Kunden einen Mehrwert zu schaffen. Digitalisierung hat dann einen Sinn, wenn am Ende des Tages eine bessere Qualität rauskommt. Digitalisierung hat dann auch ihren gesellschaftlichen Auftrag erfüllt, wenn sie letzten Endes ganz viele Menschen erreicht und für ganz viele Menschen auch Platz schafft, dass jeder nach seinen Fähigkeiten eingesetzt werden kann.

Da geht es ja auch darum, diese Ideen, diese unterschiedlichen Sichtweisen, Blickwinkel aus den einzelnen Köpfen herauszuholen. Ist es auch da denkbar, mit digitalen Tools, Apps und dergleichen zu arbeiten?
Ja, das ist auch unser Ansatz, bei dem Unternehmen, bei dem ich jetzt bin. ISN – Innovation Service Networks bietet unter anderem Ideen-Plattformen an. Das heißt, wir nutzen das Wissen der Masse – der Crowd – und wir bieten eben genau diese Tools an, Menschen mit ihren Ideen abzuholen, sie weiter zu entwickeln und Wettbewerbe zu starten. So bekommen wir von vielen Menschen Input und können so eine gemeinsame Sache weiterentwickeln.

Kommt dabei am Ende aller Tage noch mehr Innovation zustande, weil sich die einzelnen Ideen gegenseitig stimulieren?
Genau, die unterschiedlichen Ideen stimulieren einander. Es entsteht auch ein Wettbewerb. Durch diese Mehrstufigkeit des Ideen-Einbringens, Bewertung durch die Gruppe und im dritten Schritt Bewertung durch eine Fachjury hat man hier wirklich einen schönen Prozess und kann Neues entstehen lassen.

Auf Bundesebene gibt es ja auch solche Innovationsprozesse, zu denen einzelne Ministerien aufrufen. Waren Sie da involviert?
Es gab tatsächlich einige Prozesse, die auch von uns begleitet wurden. Immer wieder werden von unterschiedlichen Ministerien Wettbewerbe gestartet. Das sind immer einzelne Projekte, mit denen versucht wird, Dinge in Bewegung zu setzen.

Funktioniert das?
Es funktioniert. Es ist aber sicher auch noch ein Weg, wo noch viel passieren muss. Ich denke, das ist auch ein Thema in unseren Köpfen, dass wir lernen müssen, uns aktiver einzubringen. Ich glaube, das ist die Herausforderung.

Es geht also darum, die Menschen entsprechend zu motivieren?
Ja, richtig. Das ist, glaube ich, die Herausforderung: Vom Konsumenten auch zum Unternehmer zu werden, sich aktiv einzubringen.

Ich könnte mir vorstellen, dass diese Prozesse des Ideen-Generierens, wenn sie online stattfinden, vielleicht den Nachteil haben könnten, dass man als User, als Befragter, zu oberflächlich agiert. Vielleicht oberflächlicher, als wenn man im direkten Gespräch mit jemandem wäre?
Das Risiko ist da und wir merken schon einen Unterschied zwischen öffentlichen Bewerben und Bewerben in einer geschlossenen Kommune. Nichtsdestotrotz ist es auch wichtig, diese Meinungen zu hören und auch hier den Menschen eine Chance zu geben, sich einzubringen und einfach einmal ihre Sicht zu schildern.

Ihr berufliches Motto ist: „Die meisten Dinge, die wir lernen, lernen wir von den Kunden.“
Dieses Motto gefällt mir insofern gut, weil wir durch jeden Kunden lernen, weil jeder Kunde eine individuelle Geschichte hat, die Dinge immer anders sieht, auch andere Anforderungen hat. Ich gehe aus jedem Kundengespräch hinaus und denke für mich, das habe ich noch nicht gekannt, der Blickwinkel war mir noch fremd, das gibt es auch noch zu beachten.

Was bedeutet für Sie privat Digitalisierung?
Ich nutze sie natürlich überall dort, wo sie mir eine Erleichterung bringt, ich versuche aber auch sehr viele Dinge analog zu machen. In der Kommunikation ist mir die analoge Variante immer noch die liebere.