Energie als Treibstoff der Digitalisierung

Energie Graz HerbstfestT. Moser (Axtesys), H. Linder (Energie Graz), L. Schütz-Krainz (Energie Graz)

Ein digitales Interview mit Hannes Linder und Lisa Schütz-Krainz von Energie Graz rund um Smart Net und Smart City. Über den Wandel in der Energiewirtschaft und den Wandel im Denken. Warum Netzausfälle kein Thema für Graz sind und wann Old Style wieder modern wird!

Liebe Frau Schütz-Krainz, lieber Herr Linder – die Digitalisierung ist wohl nicht mehr wegzudenken aus Ihrem beruflichen Alltag? Sehen Sie sie als unterstützenden Faktor oder als notwendiges Übel?
HL: In der Energiewirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Zunächst wurde die Digitalisierung tendenziell als Bedrohung wahrgenommen, inzwischen wird sie als riesige Chance gesehen.

Ein typisch menschlicher Reflex auf alles Neue, bis die Vorteile gesehen werden?
HL: Natürlich, auch in der Energiewirtschaft arbeiten Menschen.
LK: So eine Veränderung muss das ganze Unternehmen durchdringen und braucht dementsprechend Zeit, um überall als Chance gesehen zu werden. Da ist in unserer Branche sicherlich noch Luft nach oben.
HL: Was auch interessant ist – wenn du das Unternehmen als Ganzes ansprichst – wie unterschiedlich da die Vorstellungen davon sind, was Digitalisierung bedeutet. Für manch einen ist die Digitalisierung mit dem Scannen von Papierunterlagen erledigt, für den anderen reicht sie schier unendlich bis ins kleinste Detail im Unternehmen. Das geht dann soweit, dass man davon sprechen kann, dass der gesamte Geschäftsprozess fast durchgehend digitalisiert wird. Da drängt sich natürlich auch die Frage auf: Was kommt nach der „vollständigen“ Digitalisierung?

Das wäre eine meiner nächsten Fragen gewesen… [lacht]
HL: Ich wünschte, das könnte ich beantworten [lacht]. Aber so weit reicht vermutlich meine Vorstellungskraft nicht.

Smart City, Smartnet, E-Mobility – alles große Themen für die Energie Graz?
HL: Das sind wirklich breite Themenfelder. Die man einerseits aus der Perspektive der Digitalisierung, aber auch allgemein aus der Perspektive des grundsätzlichen Wandels dieser Geschäftsmodelle betrachten kann. Wenn man einige Jahre zurückdenkt, waren wir als Energieversorger schlicht ein Verteiler von Strom, Gas und Wärme. Heute sind wir umfassender Energiedienstleister in allen Belangen rund um das Thema Energie. Und diese Entwicklung macht mich auch richtig stolz.
Smart City und Smartnet, da könnten wir uns natürlich stundenlang darüber unterhalten. Bei Smart City sehen wir es natürlich schon als unsere Aufgaben, einerseits die solide Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, denn Energiebedarf ist bei jeder Veränderung eine konstante Größe; andererseits aber auch als innovatives und zukunftsorientiertes Unternehmen Akzente darüber hinaus zu setzen.
Und betreffend E-Mobility – ein super interessantes und kontrovers diskutiertes Thema – freut es mich, dass unsere Stromnetze in Graz für den Ausbau der E-Mobility hervorragend gerüstet sind. Die Ängste, die hier mancherorts geschürt werden, sind also völlig unbegründet.

Welche Ängste – Blackout?
HL: Ein völliges Blackout ist in unseren Netzen kaum möglich. Dafür müsste es bereits in den vorgelagerten Netzstrukturen, etwa an Hoch- und Höchstspannungsleitungen zu Ausfällen kommen. Solche Leitungen betreiben wir gar nicht.
LK: Wir haben eine der geringsten Ausfallzeiten aller Netze in Österreich. Unsere Leitungen liegen größtenteils in der Erde und sind dementsprechend gut gegen äußere Einflüsse wie beispielsweise Unwetter gesichert.

Sehr beruhigend. Im Italien-Urlaub habe ich das heuer erlebt – selbst der Supermarkt musste schließen, weil die Kassen nicht mehr funktionieren konnten. Es hat 2-3 Stunden gedauert, bis die Stromversorgung wiederhergestellt war.
LK: Italien hat öfter Probleme mit Netzschwankungen, Ausfälle sind dort bekannterweise keine Seltenheit.
HL: Solche Ausfälle sind bei uns extrem selten. Die durchschnittliche Stromausfallszeit in unserem Stromnetz beträgt drei Minuten – pro Jahr!
LK: Da ist unser Stromnetz wirklich Spitzenreiter!
HL: Das ist natürlich unseren vorausschauenden Investitionen in den letzten Jahren geschuldet, das muss man schon dazusagen! Aber auch der Topologie von Graz: Wir haben verhältnismäßig kurze Leitungslängen und ein sehr engmaschiges – und damit ausfallsicheres – Netz.

Was ist das Spannendste an Ihrem Beruf?
LK: Jeden Tag neue Herausforderungen, vor allem was den zuvor angesprochenen Wandel in der Branche betrifft. Ich glaube, wir sind in einer sehr spannenden Branche tätig, wo gerade jetzt extrem viel in Bewegung ist. Alte Strukturen werden aufgebrochen und man bricht zu neuen Ufern auf.
Und wir sind mittendrin und dürfen – stets im Sinne unserer Kundinnen und Kunden – mitgestalten.

Wie sieht’s privat aus mit Digitalisierung: Kommunizieren Sie mit Alexa und Siri?
LK: Wir kommunizieren miteinander [lacht] in echter sozialer Interaktion.

Und wird bei Ihnen zu Hause alles digitalisiert, von der Haustechnik bis zur Einkaufsliste?
HL: Wo ich nicht muss oder es mir nicht wirklich nutzt, wird nichts digitalisiert. Ich gehe äußerst sorgfältig mit meinen Daten um. Alexa würde ich verwenden, wenn sie mich verstünde [lacht]. Ich hatte schon mal das Vergnügen das Ding zu testen, aber sie versteht mich einfach nicht – irgendetwas passt nicht zwischen uns.

Die Chemie stimmt nicht…
HL: Genau! Und ich bin natürlich stets skeptisch, wer hier wem dient. Nutzt mir Alexa oder nutzt Alexa etwa mich?
LK: Ich bin generell sehr restriktiv mit meinen Daten, egal ob Gesundheits-Apps, Facebook und so weiter. Da bin ich wirklich noch analog. Old-style! [lacht]
HL: Aber damit auch wieder modern!

Irgendwann schlägt das Pendel auf die andere Seite aus…
LK: Genau. Ich bin in diesem Fall im privaten Umfeld eher Anhänger des Gegentrends.

Herzlichen Dank für das Interview!