Axtesys-Arbeitsalltag: Freiheit und Selbstbestimmung

Selbstbestimmung

Aus aktuellem Anlass – Axtesys sucht neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – eine digitale Analyse der Kultur des Unternehmens. Geschäftsführer Markus Moser spricht über die Vorteile, mit dabei zu sein, und Anforderungen an jene, die sich für Mitarbeit in einem kreativen und ungewöhnlichen Arbeitsumfeld interessieren.

Lieber Markus, was war der Grundgedanke oder die Vision bei der Gründung von Axtesys?
Die Idee bei der Gründung war, dass man mit einer unüblichen Unternehmenskultur, in der Selbstbestimmung eine große Rolle spielt, trotzdem erfolgreich sein kann. Dabei ging es uns um eine sehr transparente Kultur, die Menschen als solche wahrnimmt – als Erwachsene, nicht als Kinder. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen als mündige Personen zu sehen. Mich hat immer schon der Gedanke irritiert, dass jedem über 18-Jährigen selbstverständlich zugetraut wird, ein Haus zu kaufen, doch für die Bestellung eines Kugelschreibers gibt es in Firmen einen Freigabe-Prozess. Ich habe schon immer behauptet, ein Haus mag ich nicht jedem anvertrauen, aber das Bestellen des Kugelschreibers kann wirklich jeder selbst, egal ob in einer so genannten Führungsrolle oder nicht. Das haben wir von Anfang an so gehalten und es hat gut funktioniert bis dato.

Der Gründungsprozess der Axtesys hat rund ein Jahr gedauert – wann hat Axtesys dann tatsächlich Geburtstag gefeiert?
Im Jänner 2010. Die Idee war aber schon viel länger in unseren Köpfen, und ich wollte sowieso schon immer eine Firma gründen. Beim samstagabendlichen Brainstorming mit Angelika und anderen darüber, wie eine gute Firma aussieht, war “Freude an der Zusammenarbeit” immer schon eine der Kernideen.

Pioniere, Freigeister, Nerds … wie lassen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Axtesys beschreiben, ohne zu schubladisieren?
Wir sind ein sehr heterogenes Team, aber was wir alle gemeinsam haben, ist ein hohes Maß an Erwachsensein. Jeder ist selbst verantwortlich für seine Dinge. Jeder kann seinen Freiraum gestalten, mit allen Vor- und Nachteilen. Jeder kann sich seine Zeit flexibel selbst einteilen. Wobei diese Freiheiten auch klare Regeln und klare Strukturen brauchen. Wir haben ein Montagsrundenprotokoll, wo alles drinnen steht, was die Firma betrifft. Das war uns wichtig, damit alle zumindest die Möglichkeit haben, sich wirklich über alles informieren zu können, wenn sie es durchlesen. Unter anderem damit hat die Firma eine gute Struktur, doch in der Struktur kann man sich frei bewegen und seine Entscheidungen, wie man seine Ziele erreicht, selbst treffen. Abgesehen vom hohen Maß an Erwachsensein sind wir alle Tüftler. Um hier zu arbeiten, sollte man gerne Probleme lösen und nicht auf Detailanweisungen angewiesen sein. Es hilft hier jeder gern, es ist immer spannend, aber es ist nicht so, dass hier jemand sagen würde: „Heute musst du Zeile 12 bis Zeile 27 programmieren.“ Das wäre nicht, Selbstbestimmung, das wäre nicht Axtesys.

Axtesys hat schon sehr viel erreicht und ist sehr engagiert: Freiräume-Konferenz, Green Panther, Fast Forward Award, Businesslauf, Grazathlon usw., auch in sozialer Hinsicht, z.B. beim Verein ProEthik.
Grundsätzlich tun wir das, was wir für sinnvoll halten und was uns Spaß macht. Z. B. Freiräume-Konferenz: Wir glauben, dass das ein toller Austausch mit anderen Menschen ist. Green Panther: Wir sind stolz, eine tolle Website ins Leben gerufen zu haben, Fast Forward Award: Wir sind sehr innovativ und was wir können, können nur sehr wenige – das auch anerkannt zu bekommen ist sehr fein. Sport, ob als Teilnehmende oder als Sponsoren, ist immer gut. Dass wir ethisch handeln und auch etwas spenden, ist uns ebenfalls wichtig.

Warum funktioniert Teamwork bei Axtesys so gut?
Weil wir coole Leute sind und weil auch die Umgebung passt. Man hat hier viel Freiräume, nicht nur bei der Gestaltung seines Arbeitsplatzes, sondern auch im weiteren Sinne. Deswegen klappt es auch mit den selbstorganisierten Teams. Außerdem sind wir flexibel – bei uns klebt selten jemand auf seinem Platz. Wenn jemand sagt, er möchte mit den und den Leuten in dem Projekt zusammenarbeiten, sind wir rundum sehr flexibel.

Was hat es mit Holocracy auf sich, wie seid Ihr darauf gekommen?
Meine Interpretation des Kerngedankens ist die, dass Menschen am besten selbstbestimmt arbeiten. Wir beschäftigen uns sozusagen mit der Open Source-Variante, nach dem Buch „Re-inventing organizations“ von Frederic Laloux. Wir haben uns einfach umgeschaut: Was passt zu Axtesys, wer macht noch so etwas? Dann haben wir gesehen – die machen etwas Ähnliches, das sieht sehr gut aus, da können wir uns ein bisschen was abschauen, etwas lernen, die Kreisstruktur übernehmen. Damit man dem auch einen Namen gibt, dem Kind. Wir haben etliche Dinge umgesetzt, eingeführt, ohne einen Namen dafür. Mit Namen wird es einfach leichter, dadurch bekommen die Dinge mehr Zug. Daraus haben wir einiges gelernt und Prozesse hinterfragt, unser CTO Paul hat den Anstoß dazu gegeben. Das ist so, wie wenn man sich entwicklungsmäßig auf die nächste Ebene bewegt. Wobei wir immer noch viel dazulernen [lacht].

Es geht bei Holocracy also um möglichst flache Hierarchien? Wie wird Holocracy bei Axtesys gelebt?
Ja, aber trotzdem in einem klar geregelten Rahmen. Wir leben Holocracy in großer Freiheit und in großer Klarheit, ohne große Unsicherheit, aber trotzdem selbstbestimmt, um diese Balance herzustellen. Dass ist für mich der Grundgedanke von „Reinventing organizations“.

Welche persönlichen Eigenschaften sind bei SW-Entwicklungs-Menschen besonders wichtig?
Selbständigkeit – nicht im Software-Engineering, denn da arbeiten wir im Team – aber in den anderen Dingen. Damit man auch seine Grenzen kennt. Zum Beispiel, indem man sagt: „Liebes Requirements Engineering, ich brauche mehr von dir.“ Dass ich mir jemanden außerhalb des Kernteams suche, der trotzdem gut testet. Und dass unsere Software-Entwicklerinnen und –Entwickler mit den Freiheiten selbstbestimmten Arbeitens gut umgehen können. Dass sie Entscheidungen selbst treffen, oder, wenn sie das nicht können, klar delegieren und eben die Leute suchen, die klare Entscheidungen für sie treffen.

Hat Axtesys damit auch negative Erfahrungen gemacht?
Ja, klar. Es gibt Menschen, die ganz klare Vorgaben haben wollen, möglichst detailliert. Und es gibt Menschen, denen die Freiheiten Angst machen. Freiheit kann auch Angst auslösen.

Axtesys sucht gerade Verstärkung, was möchtest du interessierten Bewerberinnen und Bewerbern mit auf den Weg geben?
Wir suchen Leute, die gerne gut programmieren. Und die wirklich, wirklich gut werden wollen in ihrem Bereich. Wir sind Individualentwickler, das heißt, wir sind in der Königsdisziplin. Bei uns sieht man ganz viel, und wir haben einige Leute, von denen man ganz viel lernen kann. Das macht auch Spaß, da wir meist Herausforderungen haben, die nicht ganz trivial zu lösen sind [lacht].

Wie sieht es mit Teilzeit aus, Quereinsteigern, Studierenden?
Teilzeit ab 20 Stunden, darunter macht es unserer Erfahrung nach wenig Sinn, weil wir im Team arbeiten. Ansonsten haben wir keine Ausschlusskriterien, wichtig sind uns die genannten Qualitäten.

Ein abschließender Gedanke zu Freude an der Zusammenarbeit?
Freude an der Zusammenarbeit ist unser Kernwert, aber auch einer meiner ganz persönlichen Werte. Es soll Spaß machen, mit mir zusammenzuarbeiten, und es soll Freude bereiten, mit dem zu arbeiten, was wir erstellen: mit schöner, eleganter Software.